Der Zug rast geradeaus, die Geschichte tut dies selten. In den Romanen „Schokoladenblut“ von Radka Denemarková und „Das Taiwan-Tagebuch“ von Yang Shuang-zi wird etwas Größeres transportiert, als wir es gewohnt sind – die Vergangenheit wird in die Gegenwart befördert. Es entsteht jedoch auch ein intimer Raum, in dem die polierten Oberflächen kolonialer und patriarchaler Macht zu bröckeln beginnen. Im Mittelpunkt beider Romane stehen Frauen, die sich weigern, bloße Passagierinnen in Geschichten zu sein, die andere geschrieben haben, sei es eine Figur, die auf einer realen Schriftstellerin basiert, oder ein reisendes Paar, dessen Beziehung die blinden Flecken des Imperiums offenbart. Die Begegnung zwischen Radka Denemarková und Yang Shuang-zi bietet die Gelegenheit, auf beiden Seiten des Globus dieselben Fragen zu stellen: Wer schreibt die Geschichte, und welchen Preis zahlen diejenigen, über die sie hinwegrollt?