Tschechien

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Unsere Übersetzer*innen: Christina Frankenberg

Christina Frankenberg
Ohne unsere vielen tollen Übersetzer*innen wäre die tschechische Literatur im Ausland nicht vorhanden. In unserer Reihe wollen wir euch daher unsere Kolleg*innen näher vorstellen und haben ihnen dafür ein paar Fragen gestellt. Den Anfang macht Christina Frankenberg, die stellvertretend das Tschechische Zentrum Berlin leitet, hier verschiedene Events moderiert und zahlreiche Titel ins Deutsche übersetzt hat.

„Denkst du beim Übersetzen eher in Bildern, in Bedeutung oder in Worten?“

Die Übertragung der Bedeutung ist beim Übersetzen von Prosatexten sicher die Voraussetzung für alles. Wenn es um räumliche Beschreibungen geht, dann will ich genau erfassen, wie die Dinge im Raum angeordnet sind, dann muss ich sie bildlich vor mir sehen, um sie auch auf Deutsch beschreiben zu können. Vor den Augen des deutschen Publikums sollen die gleichen Bilder entstehen wie vor den Augen der tschechischen Lesenden. Auch Rhythmus und Klang spielen eine Rolle beim Übersetzen.

„Wie hat das Übersetzen dein eigenes Deutsch verändert?“

Ich bin mir nicht bewusst, dass das Übersetzen mein Deutsch verändert hätte, aber wenn ich an einer Übersetzung arbeite, höre und lese ich aktiver als sonst, habe sozusagen alle Antennen auf Empfang gestellt. Und manchmal passiert es dann, dass aus dem Radio genau das eine Wort ertönt, nach dem ich die ganze Zeit gesucht habe. Manchmal komme ich mir dann vor wie bei einer Schatzsuche und die deutschen Wörter sind die Schätze, die es zu finden gilt.

„Was liebst du am Tschechischen, was du im Deutschen vermisst?“

Das Tschechische ist flexibler als das Deutsche, es genügen manchmal nur ein oder zwei Buchstaben in einem Wort, um zwischen den Wortarten zu wechseln oder neue Bedeutungen zu schaffen, die deutsche Sprache ist da meist etwas schwerfälliger. 

„Woran arbeitest du aktuell und was wird dein nächstes Projekt sein?”

Ich arbeite gerade an der Übertragung von Jan Nováks Roman „Děda“, der von der Kindheit des Autors inspiriert ist. Ein kleiner Junge erlebt in den 1950er Jahren seinen ständig mürrischen Opa, den „děda“, und erfährt von seiner Mutter, was diesem Opa bei der Kollektivierung der Landwirtschaft zugestoßen ist, als ihm seine Felder und seine Tiere genommen wurden. Und er sieht, wie der ehemalige Knecht dem Opa einen Peitschenhieb versetzt. Der Junge beschließt, den Opa zu rächen, doch natürlich funktioniert das nicht so einfach, wie er es sich vorgestellt hat. Der Roman erzählt von einer schwierigen Zeit voller Ungerechtigkeit, doch ist er mit viel Wortwitz und Sinn für absurden Humor geschrieben. Denn Absurditäten gibt es vielleicht gerade in schwierigen Zeiten mehr als genug.

Christina Frankenberg studierte Bohemistik an der Humboldt-Universität in Berlin und der Karls-Universität in Prag und promovierte zum Thema „Das Bild der Deutschen in der tschechischen Prosa nach 1945“. Als stellvertretende Direktorin des Tschechischen Zentrums Berlin ist sie für das Programm des Kulturinstituts zuständig, insbesondere in den Bereichen Literatur, Film und Bohemistik. Sie übersetzt zeitgenössische Prosa und Texte aus den Genres Literatur, Kunst und Geschichte. Ihre Übersetzungen werden in Buchform und in Zeitschriften veröffentlicht. Sie moderiert regelmäßig Autorenlesungen und Diskussionen für Buchmessen, Film- und Literaturfestivals und andere Veranstaltungen.

Das Interview führte Annika Grützner.