Tschechien

Frankfurter Buchmesse
Ehrengast 2026

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Wie entstand der Videospot zum Ehrengastauftritt?

Jakub Kouřil
Seit der Premiere des Videospots zum Ehrengastauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2025 sind drei Monate vergangen. Der Videoproduzent Jakub Kouřil war maßgeblich an dessen Gestaltung beteiligt. „Ich wollte, dass der Spot vor allem verspielt ist. Das führte mich nach und nach zum Dadaismus und zur Zeit des tschechischen Poetismus der 1920er Jahre, als auch das bildliche Spiel mit Schrift und Worten eine wichtige Rolle spielte“, erklärt der Künstler.

Warum haben Sie sich für das Auswahlverfahren beworben? Was hat Sie an dieser Herausforderung gereizt?

Ich bin in den sozialen Netzwerken auf die Ausschreibung gestoßen und war natürlich sofort begeistert. Es kommt nicht oft vor, dass man einen kurzen Spot nach einem eigenen Thema entwickeln kann, noch dazu mit einem so interessanten Thema. Meistens sind die Vorgaben bei ähnlichen Projekten sehr streng und konkret, oft sogar trocken. Hier öffnete schon der Titel „Tschechien: Land an der Küste“ die Tür für viele Ideen.

Wie ist Ihre Idee entstanden? Was war der erste Impuls?

Meine Absicht war es, ein kurzes Video zu erstellen, das der tschechischen Literatur Tribut zollt, das erwähnte Thema „Küste der Literatur“ reflektiert und gleichzeitig nicht zu beschreibend und konkret ist. Ich wollte mich mehr auf die emotionale Wirkung des Spots konzentrieren als auf das Erzählen einer Minigeschichte mit überraschender Pointe. Mir kam der Gedanke, dass ich keine stellvertretenden Symbole für etwas spezifisch Tschechisches in unserer Literatur suchen sollte, sondern mich besser auf die Darstellung der Freude am Schaffen und am Schreiben selbst und an der Suche nach Ideen konzentrieren sollte. Ich wollte, dass der Spot vor allem spielerisch ist. Das führte mich nach und nach zu Dadaismus und zur Zeit des tschechischen Poetismus der 1920er Jahre, als auch das bildliche Spiel mit Schrift und Worten eine wichtige Rolle spielte. Das passte auf Anhieb zu der geplanten technischen Umsetzung in Form einer animierten Collage.

An Ihrem Entwurf hat uns die ausgeprägte Arbeit mit Animation und Collage beeindruckt. Wie sind Sie zu diesem Stil in Ihrer Arbeit gekommen?

Es stimmt, dass ich häufig eine bestimmte Form der Collage verwende. Das macht mir schon in der Vorbereitungsphase Spaß, weil diese Form der Umsetzung automatisch eine gewisse Verspieltheit in die Arbeit bringt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Geschwindigkeit der Umsetzung. Ich arbeite auch als Werberegisseur und Grafiker, und in den allermeisten Fällen sind Geschwindigkeit und Effizienz entscheidend. Für mich steht jedoch immer das Endergebnis im Vordergrund, und die Collagetechnik ermöglicht es mir, beides zu verbinden, also Geschwindigkeit und Liebe zum Detail.

Was alles haben Sie in den Videoclip eingebaut? Welche Symbole, Details oder Metaphern?

Der Spot ist gedanklich in drei Teile gegliedert. Zunächst fliegen wir an historischen Persönlichkeiten vorbei, die uns schnell daran erinnern, dass es etwas gibt, woran man anknüpfen kann. Anschließend begeben wir uns in imaginäre Welten, aus denen wir immer wieder neue Ideen schöpfen können. Und alle Ideen finden schließlich ihre zufriedenen Leser*innen.

Aufmerksame Zuschauer*innen werden sicherlich viele verschiedene Details entdecken, die auf konkreten Vorbildern basieren. Das Ziel war es jedoch, sich am Rande des Surrealen zu bewegen, und das Wichtigste war, dass der Spot die „Freude am Schaffen“ vermittelt.

Czechia 2026 videospot, behind the scenes

Haben Sie bei der Erstellung des Videospots irgendwelche Tools der künstlichen Intelligenz verwendet? Wenn ja, in welcher Weise?

KI gibt es in der Software, die ich für meine Arbeit verwende, schon seit geraumer Zeit. Jetzt ist sie jedoch für den Nutzer viel zugänglicher und lässt sich leicht im Alltag einsetzen. Und ich begrüße das, denn als Autor habe ich plötzlich viel mehr kreative Freiheit. Bei Animationen beispielsweise werden die Produktionsprozesse erheblich beschleunigt. Routineaufgaben, für die man früher stundenlang schuften musste, lassen sich jetzt um ein Vielfaches schneller erledigen. Das entlastet einen und man kann sich mehr der kreativen Seite widmen.

Die visuelle Gestaltung des Spots basiert auf einer Collage. In einem solchen Fall ist es wichtig, eine gewisse Bildkontinuität zu wahren, damit die einzelnen Szenen beispielsweise im Zeichenstil aufeinander aufbauen. Gerade in diesem Fall war die KI eine große Hilfe, dank der es möglich war, alle Details einfach aufeinander abzustimmen.

Was war die größte Herausforderung bei der Erstellung?

Auch wenn es nicht so scheint, sind zwei Minuten für ein solches Format eine relativ lange Laufzeit. Es ist schwierig, die einzelnen Fragmente so zusammenzusetzen, dass man die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers während der gesamten Dauer aufrechterhalten kann. Umso mehr, wenn man keine konkrete Geschichte mit einer Pointe erzählt. Ich hoffe, dass es uns gemeinsam gelungen ist, ein Video zu erstellen, das die Zuschauer fesselt.

Wie verlief die Zusammenarbeit mit dem Team? Hat jemand die endgültige Form wesentlich beeinflusst?

Die Zusammenarbeit mit dem Czechia-Team war sehr angenehm. Ich bin ein Autor, der sich gerne beraten lässt und alle Details und Ideen gerne in einem größeren Kollektiv bespricht. Ich habe es begrüßt, einzelne Ideen in allen Phasen der Produktion des Spots zu besprechen, und ich schätze auch den kreativen Freiraum, den ich bekommen habe, sehr.

Eine wichtige Rolle im Spot spielt auch die Tonspur. Wie ist die Musik entstanden und warum haben Sie sich für die Stimme von Stanislava Jachnická entschieden?

Die Musik und der Soundtrack für den Spot wurden vom Komponisten Michal Pajdiak geschaffen. Ich kenne Michal schon seit längerer Zeit und wir arbeiten oft zusammen. Ich mag seine Vielseitigkeit. Er kommt immer mit etwas Neuem und sucht für jeden Auftrag nach neuen Wegen. Das gefällt mir, weil ich genauso denke. Von Projekt zu Projekt suche ich nach neuen Bearbeitungsmethoden und Wegen, die ich noch nicht erkundet habe.

Was das Voiceover angeht, wollte ich, dass die rhythmische Musik durch eine klangvolle, ausdrucksstarke Stimme ergänzt wird, die reif, aber nicht alt wirkt. Michal hatte sofort die Idee, Stanislava Jachnicka auszuprobieren, mit der er bereits zusammengearbeitet hatte. Und das war die richtige Wahl. Außerdem finde ich, dass die weibliche Stimme die vielen männlichen Figuren, die in dem Spot auftreten, gut ausgleicht.

Czechia 2026 videospot, behind the scenes

Lesen Sie? Welche Autoren oder Autorinnen aus dem Spot oder außerhalb davon mögen Sie?

Ich mag sowohl biografische Romane als auch Belletristik sehr gerne. Aktuell habe ich begeistert „Letorosty samomluv” (Sprossen des Selbstgesprächs) von Pavel Kohout gelesen und jetzt lese ich gerne die Memoiren des Regisseurs Werner Herzog – „Jeder für sich und Gott gegen alle”. Auf meinem Bücherregal steht als Nächstes der Erzählband „Smrt staré Maši“ (Der Tod der alten Maša) von Vratislav Maňák. Ansonsten mag ich unter den klassischen tschechischen Autoren zum Beispiel Ladislav Fuks. Seine Novelle „Obraz Martina Blaskowitze“ (Das Bild von Martin Blaskowitz) ist für mich eine kleine persönliche Entdeckung.

Da ich nicht oft die Möglichkeit habe, mich mit einem Buch hinzusetzen, höre ich bei der Arbeit viel Hörbücher. Wenn ich gerade eine künstlerische Tätigkeit auf dem Programm habe, kann ich dabei hervorragend kreativ sein. Am liebsten wähle ich etwas aus der Schullektüre, zu der ich während meines Studiums nicht gekommen bin. Kürzlich haben mich zum Beispiel das großartig vorgetragene Werk von Márquez (Hundert Jahre Einsamkeit) oder „Kladivo na čarodějnice“ (Der Hammer der Hexen) von Václav Kaplický begeistert.

Werden Sie die Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse weiter verfolgen?

Natürlich. Ich verfolge  die aktuellen Nachrichten und die interessanten Interviews mit den Autor*innen in den sozialen Medien. Ich freue mich, dass Tschechien Ehrengast einer international so bedeutenden Veranstaltung ist, und ich bin froh, dass ich dank des Spots ein kleiner Teil davon sein kann.


Das Interview mit Jakub Kouřil führte Karolína Tomečková.