
Das lyrische Subjekt ist kein autonomes, abgeschlossenes Ich, sondern entsteht in einem Netz aus Beziehungen, fremden Stimmen, historischen Anspielungen und Orten. Es wird von seiner Umgebung, der Sprache, die ihm vorausgeht, dem Zerfall der Aufmerksamkeit sowie neuen Formen von Nähe und Distanz geprägt. Das digitale Netzwerk ist die sichtbarste Form dieser Verbindung des Menschen mit der Welt.
Die Poesie erfasst das Subjekt als wandelbaren Knoten zwischen globaler Vernetzung und Intimität, eigener Stimme und der Sprache anderer sowie körperlicher Präsenz und anderen Bedeutungen. Gegen Geschwindigkeit, Leistung und kommunikatives Rauschen setzt sie Klarheit, Konkretheit und Fürsorge für Körper, Dinge, Orte und Beziehungen. In feministischer und queerer Lyrik wird Identität als relationaler, körperlicher und ständig entstehender Prozess verstanden.
Petr Hruška, Klára Goldstein, Moderation Jan Heller, deutsche Stimme Steffi Böttger