
Sechs Autorinnen und Autoren, sechs Werke, eine 6 × 3 m große Wand. Jedes Werk entsteht in zwei Schichten: Das robotische Drucksystem Wall Ink bringt einen vorgezeichneten Teil direkt auf die Wand im Pavillon auf, anschließend zeichnet die Autorin bzw. der Autor ihn vor den Augen des Publikums von Hand weiter. Mit dem Ende des Tages wird das Werk überstrichen, als hätte es die Ebbe fortgespült. Und am nächsten Tag entsteht darauf ein neues Werk. Bei ausgewählten Werken geht ein Teil der Komposition auf eine separate Leinwand über, die in der Mährischen Landesbibliothek verbleibt.
„Puh, ist das heiß!“ Hinter dem Mann liegt die Stadt, die Schornsteine rauchen, der Motor kühlt noch ab. Er lässt das Auto am Ufer stehen und geht sich abkühlen. Mit jedem Schritt ins Wasser beginnt er sich zu verwandeln – der aufrechte Gang verändert sich, die Hautoberfläche, die Formen der Gliedmaßen verwandeln sich. Bevor er dorthin gelangt, wo man nicht mehr stehen kann, ist er wieder ein Wesen, das das Meer nie verlassen hat.
Setinský begreift das Meeresufer als Gelegenheit, dorthin zu schauen, woher wir gekommen sind – und spielt dabei mit der Tatsache, dass das Gebiet des heutigen Tschechiens einst der Grund eines echten Meeres war. Ein Meer haben wir heute in Tschechien nicht mehr. Die Erinnerung daran aber ist nicht verschwunden. Es braucht nur einen heißen Tag und die Gelegenheit, in ihre Tiefen einzutauchen. Die Rückkehr ist hier zugleich eine Erleichterung: von der Hitze, von der Stadt, von allem, was der Mensch in diesen Millionen Jahren geschafft hat.