Der nationale Stand CZECHIA wurde im Auftrag des tschechischen Kulturministeriums von der Mährischen Landesbibliothek in Brünn vorbereitet und wird von ihr betreut. Die Agenturtätigkeiten am nationalen Stand werden nicht nur von Vertretern und Vertreterinnen von Verlagen, sondern auch von Literaturagenten und -agentinnen sowie Übersetzern und Übersetzerinnen wahrgenommen. Die Ausstellung umfasst eine Auswahl von Übersetzungen tschechischer Literatur ins Englische, ergänzt durch Informationen über Fördermittel des tschechischen Kulturministeriums für Verlage und Übersetzer*innen. Das Tschechische Literaturzentrum wird auf der Messe erstmals sein Jahrbuch New Czech Books für das Jahr 2025 vorstellen.
Der Stand CZECHIA (45 m²) befindet sich für Fachbesucher unter der Kennzeichnung 1D 100 an einem neuen Standort im ersten Stock der Haupthalle Olympia in Kensington, London. Der Stand soll insbesondere Verlegerinnen und Verleger aus dem angelsächsischen Raum im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für den Ehrengastauftritt der Tschechischen Republik auf der Frankfurter Buchmesse 2026 auf sich aufmerksam machen. Vorstellen werden sich die Verlage Karolinum Press, Albatros Media und die Euromedia Group, dazu kommt die Druckerei FINIDR.
Das Tschechische Literaturzentrum, eine Abteilung der Mährischen Landesbibliothek, organisiert gleichzeitig eine Agentur- und Verlagsreise nach London mit dem Ziel, Verlegerinnen und Verleger bei der Bewerbung aktueller tschechischer Buchproduktionen zu unterstützen und die Zahl der in andere Sprachen übersetzten tschechischen Bücher zu erhöhen. Die Fachkommission wählte Verlage und Literaturagenturen aus, die hochwertige tschechische Literatur veröffentlichen und zu den wichtigen Akteuren der heimischen Literaturszene zählen. Dabei berücksichtigte sie unter anderem die Vertretung der Bücher in New Czech Books in den vergangenen Jahren, das Exportpotenzial der Bücher, Literaturpreise und die Fähigkeit der Verlage, ihre Produktionen im internationalen Kontext zu präsentieren. Nach London reisen Vertreterinnen und Vertreter der Agenturen Pluh, Dana Blatná Literary Agency und Prague Literary Agency sowie der Verlage Argo, Wo-men, LABYRINT & RAKETA, Centrala, Paseka, PROSTOR und Větrné mlýny.
Begleitend zur Präsentation der tschechischen Literatur und Kultur auf der London Book Fair 2026 wird der Literaturagent Edgar de Bruin (Agentur Pluh), der auch als Übersetzer aus dem Tschechischen ins Niederländische tätig ist, an einer Podiumsdiskussion teilnehmen, die vom europäischen Verband nationaler Agenturen zur Förderung literarischer Übersetzungen ENLit (European Network for Literary Translation) in Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Literaturzentrum (dessen Direktor Martin Krafl Präsident des Verbandes ist), Literature Across Frontiers, dem Polnischen Buchinstitut und CEATL organisiert wird. Das Thema der Diskussion lautet „Übersetzer als Agenten: eine Lösung für weniger übersetzte Literatur?“. Teilnehmen werden außerdem die Literaturagentin und Übersetzerin aus dem Katalanischen und Spanischen ins Polnische Karolina Jaszecka (Agentur KaBooks) und die Vorsitzende des Europäischen Rates der Literaturübersetzerverbände (CEATL) Francesca Novajra. Moderiert wird die Veranstaltung von Alexandra Büchler, Direktorin von Literature Across Frontiers.
Foto: The London Book Fair
Die Münchner Sicherheitskonferenz bringt jedes Jahr Delegationen aus Dutzenden von Ländern nach München und dient als Plattform für Verhandlungen und Diskussionen über wichtige Sicherheitsthemen. In diesem Jahr nahmen Vertreterinnen und Vertreter aus 120 Ländern teil, darunter 60 Premierministerinnen und Premierminister, Präsidentinnen und Präsidenten sowie mehr als hundert Außen- und Verteidigungsministerinnen und -minister. Im Mittelpunkt der 62. Konferenz standen unter anderem die transatlantischen Beziehungen und die Ukraine, aber auch moderne Technologien, die Beziehungen zu China, der zunehmende Populismus, der Nahe Osten und der Iran.






Auch die tschechische Literatur kam bei der Konferenz im Literaturhaus München zu Wort. Die Diskussion widmete sich der Rolle der Literatur in Zeiten geopolitischer Spannungen und der Bedrohung der Demokratie. Es sprachen Präsident Petr Pavel zusammen mit den Autoren Jáchym Topol und Tomáš Kafka. Moderiert wurde die Debatte von Holger Stark von der Wochenzeitung Die Zeit.
Die Auswahl der Autoren erfolgte in Zusammenarbeit mit dem Tschechischen Literaturzentrum und dem Projekt Czechia 2026.
Fotos: Tomáš Fongus, KPR
Der Abend wurde von Kateřina Kadlecová moderiert und war in zwei Teile gegliedert. Zunächst traten Sascha Reh und Jonáš Zbořil mit ihren Romanen „Biotopia“ und „Flora“ auf, die in die nahe Zukunft blicken und die Beziehungen zwischen Ökologie, Technologie und Macht sowie neue Lebensformen an der Grenze zwischen Stadt und Natur entwirren. Daran knüpften Fiona Sironic („Am Samstag gehen die Mädchen in den Wald und jagen Sachen in die Luft“) und Petr Šesták („Ausgebrannt“) an. Ihre rebellischen Texte werfen Fragen zur Digitalisierung, zu den Algorithmen, die unseren Alltag steuern, sowie zu den Konflikten zwischen aktuellen Ideologien und Kulturkriegen auf.












Fotos: Goethe-Institut Tschechien, Pavlína Jáchimová
Eine grün leuchtende Straßenbahn, die nachts durch Prag fährt, Elche, die in den Statuensockeln auf der Karlsbrücke leben, Haie, die im Dunkeln im Himmel auf Jagd gehen: „Die andere Stadt“ ist eine wahre Wunderkammer skurriler Gestalten und Szenen. In diese Welt dringt der Protagonist ein, als er in einem Antiquariat ein seltsames Buch in fremder Sprache findet und fortan zwischen dem normalen und dem obskuren, geheimen Prag hin und her wandert.
Alles liest sich wie ein Traum, doch Ajvaz betonte, dass er seine Inspiration nicht aus seinen Träumen ziehe. Für ihn seien viel mehr reale Orte eine Quelle für seine Geschichten. Im Fall von „Die andere Stadt“ war das der verschneite Hügel hinter der Prager Burg, den er während eines ruhigen Spaziergangs erkundete. Die Cafés und Antiquariate des Prags der späten 80er-Jahre dienten ebenfalls als Vorlage. Viele Orte existieren heute nicht mehr, doch bei einigen Dingen habe er ein wenig die Zukunft vorhergesagt, erklärte Ajvaz schmunzelnd. Wo damals nur gelbe und orangene Straßenbahnen durch die Hauptstadt Tschechiens fuhren, sind es heute auch grüne. Und dann ist da noch dieses „kleine“ Detail der sich bewegenden Bilder in den Zeitungen. Wer denkt da noch an die magische Welt von Harry Potter?
Auf dem internationalen Buchmarkt hat Ajvaz viele Fans. Zwei Länder hebt er gerne hervor:
In den USA galt er lange als SciFi-Autor und wurde der Unterkategorie des „New Weird“ zugeordnet, einer literarischen Mischgattung aus SciFi, Horror und Romantik, die er sich unter anderem mit Edgar Allen Poe teilen durfte. In Japan liegt schnell der Vergleich zum magischen Erzählen und zu volkstümlichen Märchen nahe. Hier wurde „Die andere Stadt“ mit Anime- und Mangageschichten verglichen.
In der eigenen Sprache warnte Ajvaz dann noch vor der ersten Auflage, die leider einige Tippfehler habe. Das mag beim Lesen nicht stören, führte aber in einigen Übersetzungen zu Deutungsproblemen. So schlüpft eine Figur im Koreanischen nicht durch ein Loch, sondern durch Normen.
Seine Arbeit sieht Michal Ajvaz wie die eines Gärtners: Wie Blumen oder Gemüse müssen die Geschichten wachsen und gedeihen. Aus einem leeren Kopf entstehen Gedanken und Emotionen, aus denen wiederum Geschichten und Charaktere hervortreten. Sein neuestes Werk „Passagen unter Glas“ wird im März 2026 pünktlich zur Leipziger Buchmesse im Allee Verlag erscheinen. Damit schließen sich für den Autor mehrere Kreise: Auf Deutsch liegt dann sein zuerst und sein aktuell zuletzt veröffentlichter Roman vor. Der Erscheinungstermin ist dabei sehr bewusst gewählt, denn wichtiger Handlungsort ist die Leipziger Buchmesse. Das Bild der vielen Cosplayer, die vor ein paar Jahren wie so viele andere Messebesucher*innen im März vom Schnee überrascht wurden, hat ihn inspiriert und er hat es in seine Geschichte aufgenommen: Im verschneiten Leipzig treffen seine Figuren hier auf durch den Winternebel stapfende japanische Dämonen.
Warum haben Sie sich für das Auswahlverfahren beworben? Was hat Sie an dieser Herausforderung gereizt?
Ich bin in den sozialen Netzwerken auf die Ausschreibung gestoßen und war natürlich sofort begeistert. Es kommt nicht oft vor, dass man einen kurzen Spot nach einem eigenen Thema entwickeln kann, noch dazu mit einem so interessanten Thema. Meistens sind die Vorgaben bei ähnlichen Projekten sehr streng und konkret, oft sogar trocken. Hier öffnete schon der Titel „Tschechien: Land an der Küste“ die Tür für viele Ideen.
Wie ist Ihre Idee entstanden? Was war der erste Impuls?
Meine Absicht war es, ein kurzes Video zu erstellen, das der tschechischen Literatur Tribut zollt, das erwähnte Thema „Küste der Literatur“ reflektiert und gleichzeitig nicht zu beschreibend und konkret ist. Ich wollte mich mehr auf die emotionale Wirkung des Spots konzentrieren als auf das Erzählen einer Minigeschichte mit überraschender Pointe. Mir kam der Gedanke, dass ich keine stellvertretenden Symbole für etwas spezifisch Tschechisches in unserer Literatur suchen sollte, sondern mich besser auf die Darstellung der Freude am Schaffen und am Schreiben selbst und an der Suche nach Ideen konzentrieren sollte. Ich wollte, dass der Spot vor allem spielerisch ist. Das führte mich nach und nach zu Dadaismus und zur Zeit des tschechischen Poetismus der 1920er Jahre, als auch das bildliche Spiel mit Schrift und Worten eine wichtige Rolle spielte. Das passte auf Anhieb zu der geplanten technischen Umsetzung in Form einer animierten Collage.
An Ihrem Entwurf hat uns die ausgeprägte Arbeit mit Animation und Collage beeindruckt. Wie sind Sie zu diesem Stil in Ihrer Arbeit gekommen?
Es stimmt, dass ich häufig eine bestimmte Form der Collage verwende. Das macht mir schon in der Vorbereitungsphase Spaß, weil diese Form der Umsetzung automatisch eine gewisse Verspieltheit in die Arbeit bringt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Geschwindigkeit der Umsetzung. Ich arbeite auch als Werberegisseur und Grafiker, und in den allermeisten Fällen sind Geschwindigkeit und Effizienz entscheidend. Für mich steht jedoch immer das Endergebnis im Vordergrund, und die Collagetechnik ermöglicht es mir, beides zu verbinden, also Geschwindigkeit und Liebe zum Detail.
Was alles haben Sie in den Videoclip eingebaut? Welche Symbole, Details oder Metaphern?
Der Spot ist gedanklich in drei Teile gegliedert. Zunächst fliegen wir an historischen Persönlichkeiten vorbei, die uns schnell daran erinnern, dass es etwas gibt, woran man anknüpfen kann. Anschließend begeben wir uns in imaginäre Welten, aus denen wir immer wieder neue Ideen schöpfen können. Und alle Ideen finden schließlich ihre zufriedenen Leser*innen.
Aufmerksame Zuschauer*innen werden sicherlich viele verschiedene Details entdecken, die auf konkreten Vorbildern basieren. Das Ziel war es jedoch, sich am Rande des Surrealen zu bewegen, und das Wichtigste war, dass der Spot die „Freude am Schaffen“ vermittelt.
Haben Sie bei der Erstellung des Videospots irgendwelche Tools der künstlichen Intelligenz verwendet? Wenn ja, in welcher Weise?
KI gibt es in der Software, die ich für meine Arbeit verwende, schon seit geraumer Zeit. Jetzt ist sie jedoch für den Nutzer viel zugänglicher und lässt sich leicht im Alltag einsetzen. Und ich begrüße das, denn als Autor habe ich plötzlich viel mehr kreative Freiheit. Bei Animationen beispielsweise werden die Produktionsprozesse erheblich beschleunigt. Routineaufgaben, für die man früher stundenlang schuften musste, lassen sich jetzt um ein Vielfaches schneller erledigen. Das entlastet einen und man kann sich mehr der kreativen Seite widmen.
Die visuelle Gestaltung des Spots basiert auf einer Collage. In einem solchen Fall ist es wichtig, eine gewisse Bildkontinuität zu wahren, damit die einzelnen Szenen beispielsweise im Zeichenstil aufeinander aufbauen. Gerade in diesem Fall war die KI eine große Hilfe, dank der es möglich war, alle Details einfach aufeinander abzustimmen.
Was war die größte Herausforderung bei der Erstellung?
Auch wenn es nicht so scheint, sind zwei Minuten für ein solches Format eine relativ lange Laufzeit. Es ist schwierig, die einzelnen Fragmente so zusammenzusetzen, dass man die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers während der gesamten Dauer aufrechterhalten kann. Umso mehr, wenn man keine konkrete Geschichte mit einer Pointe erzählt. Ich hoffe, dass es uns gemeinsam gelungen ist, ein Video zu erstellen, das die Zuschauer fesselt.
Wie verlief die Zusammenarbeit mit dem Team? Hat jemand die endgültige Form wesentlich beeinflusst?
Die Zusammenarbeit mit dem Czechia-Team war sehr angenehm. Ich bin ein Autor, der sich gerne beraten lässt und alle Details und Ideen gerne in einem größeren Kollektiv bespricht. Ich habe es begrüßt, einzelne Ideen in allen Phasen der Produktion des Spots zu besprechen, und ich schätze auch den kreativen Freiraum, den ich bekommen habe, sehr.
Eine wichtige Rolle im Spot spielt auch die Tonspur. Wie ist die Musik entstanden und warum haben Sie sich für die Stimme von Stanislava Jachnická entschieden?
Die Musik und der Soundtrack für den Spot wurden vom Komponisten Michal Pajdiak geschaffen. Ich kenne Michal schon seit längerer Zeit und wir arbeiten oft zusammen. Ich mag seine Vielseitigkeit. Er kommt immer mit etwas Neuem und sucht für jeden Auftrag nach neuen Wegen. Das gefällt mir, weil ich genauso denke. Von Projekt zu Projekt suche ich nach neuen Bearbeitungsmethoden und Wegen, die ich noch nicht erkundet habe.
Was das Voiceover angeht, wollte ich, dass die rhythmische Musik durch eine klangvolle, ausdrucksstarke Stimme ergänzt wird, die reif, aber nicht alt wirkt. Michal hatte sofort die Idee, Stanislava Jachnicka auszuprobieren, mit der er bereits zusammengearbeitet hatte. Und das war die richtige Wahl. Außerdem finde ich, dass die weibliche Stimme die vielen männlichen Figuren, die in dem Spot auftreten, gut ausgleicht.
Lesen Sie? Welche Autoren oder Autorinnen aus dem Spot oder außerhalb davon mögen Sie?
Ich mag sowohl biografische Romane als auch Belletristik sehr gerne. Aktuell habe ich begeistert „Letorosty samomluv” (Sprossen des Selbstgesprächs) von Pavel Kohout gelesen und jetzt lese ich gerne die Memoiren des Regisseurs Werner Herzog – „Jeder für sich und Gott gegen alle”. Auf meinem Bücherregal steht als Nächstes der Erzählband „Smrt staré Maši“ (Der Tod der alten Maša) von Vratislav Maňák. Ansonsten mag ich unter den klassischen tschechischen Autoren zum Beispiel Ladislav Fuks. Seine Novelle „Obraz Martina Blaskowitze“ (Das Bild von Martin Blaskowitz) ist für mich eine kleine persönliche Entdeckung.
Da ich nicht oft die Möglichkeit habe, mich mit einem Buch hinzusetzen, höre ich bei der Arbeit viel Hörbücher. Wenn ich gerade eine künstlerische Tätigkeit auf dem Programm habe, kann ich dabei hervorragend kreativ sein. Am liebsten wähle ich etwas aus der Schullektüre, zu der ich während meines Studiums nicht gekommen bin. Kürzlich haben mich zum Beispiel das großartig vorgetragene Werk von Márquez (Hundert Jahre Einsamkeit) oder „Kladivo na čarodějnice“ (Der Hammer der Hexen) von Václav Kaplický begeistert.
Werden Sie die Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse weiter verfolgen?
Natürlich. Ich verfolge die aktuellen Nachrichten und die interessanten Interviews mit den Autor*innen in den sozialen Medien. Ich freue mich, dass Tschechien Ehrengast einer international so bedeutenden Veranstaltung ist, und ich bin froh, dass ich dank des Spots ein kleiner Teil davon sein kann.
Das Interview mit Jakub Kouřil führte Karolína Tomečková.









Fotos: Natalia Reich
Bei der Erstellung dieser stützen wir uns auf zahlreiche Quellen – beispielsweise auf die Liste der vom tschechischen Kulturministerium im Rahmen des Programms zur Förderung von Übersetzungen unterstützten Bücher, auf Informationen über übersetzte Bücher aus der Datenbank des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels oder Informationen, die sich aus der umfangreichen und langjährigen Zusammenarbeit unseres Teams und des Tschechischen Literaturzentrums mit Verlagen und Autor*innen ergeben.
Die Datenbank dieser Übersetzungen für die Jahre 2024, 2025 und 2026 können Sie hier einsehen.
Kennen Sie dennoch eine aktuelle deutsche Übersetzung eines tschechischen Buches aus den letzten drei Jahren, die hier nicht aufgeführt ist? Wir nehmen sie gerne auf. Füllen Sie dazu einfach dieses kurze Formular aus. Vielen Dank.
Was hat Sie inspiriert den Roman Unmerklicher Verlust der Einsamkeit zu schreiben?
Ich wollte schon immer schreiben, bin aber über viele Lebensumwege relativ spät dazu gekommen. Ursprünglich plante ich eine intime, existenzielle Geschichte über Einsamkeit, doch schließlich entschied ich mich für eine epischere Erzählweise, die sich als natürlicher und tragfähiger für mich erwiesen hat. Der Roman handelt nicht vom Holocaust, wie viele behaupten – im Gegenteil: im Gegenteil: Ich habe mich so weit wie möglich von bereits oft verarbeiteten Themen ferngehalten.
Welche Bedeutung hat es für Sie, dass Ihr Buch in die prestigeträchtige Auswahl von Books at Berlinale aufgenommen wurde?
Natürlich freut es mich – es ist das erste tschechische Buch, welches jemals in der Auswahl war, und mein Ego jubelt da schon ein wenig. Gleichzeitig ist es aber erst der Anfang, und es kann auch ganz anders ausgehen: Am Ende muss daraus gar nichts werden.
Womit, glauben Sie, hat gerade Ihr Buch überzeugt?
Ich glaube, es liegt an seiner epischen Kraft – an einer Form des Erzählens, die heute in der literarischen Fiktion vielleicht seltener geworden ist, weil oft intimere, persönliche Geschichten im Vordergrund stehen. Zugleich hoffe ich, dass der Roman mit einer frischen Perspektive und einem ungewöhnlichen Thema überrascht.
Hatten Sie beim Schreiben des Romans Unmerklicher Verlust der Einsamkeit schon im Kopf, dass er verfilmt werden könnte?
Einen Roman wie einen Film zu schreiben, wäre ein Fehler. Trotzdem haben mir viele Leserinnen und Leser nach der Lektüre sofort gesagt: Das wäre doch Stoff für Netflix. Wie gesagt, ich stehe ganz am Anfang – und es ist gut möglich, dass daraus am Ende gar nichts wird.
Wenn es zu einer Verfilmung käme, wen könnten Sie sich für die Hauptrollen vorstellen?
Diese Gedanken wären schon ziemlich vermessen – aber als Autor habe ich natürlich Bilder oder Vorbilder der Protagonisten im Kopf, an die man sich annähern könnte. Und ganz ehrlich: Es ist ein wunderbares Mittel zur Prokrastination, sich darüber den Kopf zu zerbrechen!
Haben Sie eine Vorstellung davon, wer die Musik zu einer möglichen Verfilmung gestalten könnte?
Ursprünglich bin ich Musiker mit einem sehr breit gefächerten – und ein bisschen snobistischen – Geschmack. Es würde mich wirklich stören, wenn die Filmmusik im Falle einer Verfilmung auf die übliche Weise umgesetzt würde: ein paar rührselige Streicher, ein bisschen Klavier in hohen Lagen – wie es bei der Adaption von Alles Licht, das wir nicht sehen geschah, obwohl das Buch den Pulitzer-Preis erhalten hat. Ich würde mir wünschen, dass der Soundtrack kontrastreich ist, etwas Zeitgenössisches, Elektronisches, gerne kombiniert mit klassischen Instrumenten. Am besten man verbindet Max Richter mit Fred Again, wenn ich die Wahl hätte.
Gibt es einen Regisseur oder eine Regisseurin, dem/der Sie die Umsetzung der Geschichte anvertrauen würden?
Wieder ein bisschen vermessen, aber ich mag Regisseurinnen und Regisseure, die mehr bieten als nur eine gut konstruierte Geschichte. Von „unseren“ RegisseurInnen würde mir zum Beispiel Agnieszka Holland gut gefallen.
Gibt es einen bestimmten Film, FilmemacherIn oder Stil, den Sie als ideale Inspiration für die Verfilmung von Unmerklicher Verlust der Einsamkeit ansehen?
Wie schon erwähnt: Ich schätze FilmemacherInnen, die nicht nur eine Geschichte erzählen, sondern ihr auch eine tiefere Bedeutung verleihen können. Davon gibt es viele, eher aus Europa als aus Amerika. Momentan sehe ich die Szene allerdings stark im Serienformat – jemand wie Mike White, der zufällig Amerikaner ist, trifft in vielerlei Hinsicht genau meinen Geschmack.
Welche Erwartungen haben Sie an den Gastlandauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026? Im Hinblick auf Bedeutung und Nutzen für die tschechische Literatur?
Kleine Literaturen haben es schwer. Man kann wohl sagen: Wenn ein/e AutorIn nicht an eine größere literarische Szene oder ein größeres Land angebunden ist, ist es nahezu unmöglich, international herauszukommen. Es gibt viele SchriftstellerInnen und Bücher, und jedes Land pflegt seine eigenen Autorinnen und Autoren. Aus dieser Perspektive hätten wir vielleicht in Österreich-Ungarn bleiben sollen – auch wenn diese Aussage den tschechischen Nationalromantikern wohl nicht gefallen hätte. Trotzdem bedeutet Frankfurt sehr viel; es ist ein bedeutendes Ereignis, und ich glaube, dass daraus etwas für die tschechische Literatur entstehen wird. Für alles, was es für irgendjemanden bewirkt, wäre ich dankbar.
Wie nimmt das deutsche Publikum Ihre Bücher (bzw. die Übersetzung) auf? Spüren Sie Unterschiede zum tschechischen Lesepublikum? Resoniert das Thema anders oder stärker?
Ja, in vielerlei Hinsicht spüre ich Unterschiede. Die Deutschen sind – entgegen ihrem Ruf – viel herzlicher, dazu natürlich wohlhabender, und die Buchkultur ist dort ein echtes Thema, gehört zum guten Ton. Ihr gesellschaftliches Leben ist unvergleichlich… Aber zu meinem Buch: Ich glaube, sie sind froh, dass ich mich nicht auf die alte Leier einlasse, die ihnen oft präsentiert wird: Deutsche = schlecht, die anderen = gut. In ihrem Hinterkopf tragen sie diese ewige Schuld mit sich, und tun sich schwer damit umzugehen. Deshalb sage ich lieber: Ihr habt meine Vorfahren in die Konzentrationslager geschickt, aber ihr persönlich wart daran nicht beteiligt – also alles gut, ich nehme euch hier und jetzt nichts übel.
Das Interview mit der Autorin führte Karolína Tomečková.
„Als ich die erste Seite dieses Buches schrieb, dachte ich, dass der größte Erfolg wäre, es überhaupt zu Ende zu schreiben. Aber ich habe mich gerne geirrt und bin natürlich sehr glücklich“, sagt Eli Beneš.
„Aus meiner Sicht hat das Buch großes Potenzial; der Autor erzählt die Geschichte auf fesselnde Weise, sodass sich die Leser*innen oder Zuschauer*innen gut damit identifizieren können. Dieses gelungene Werk auf der Berlinale zu präsentieren, ist für mich als Agentin eine Ehre, und ich freue mich darauf“, ergänzt die Literaturagentin Maria Sileny von der Prague Literary Agency.
Insgesamt werden im Rahmen der diesjährigen „Books at Berlinale“ am 16. Februar mehr als 180 Filmproduzenten und -produzentinnen 10 Bücher aus aller Welt in Form einer moderierten Präsentation vorgestellt. Die vorgestellten Titel wurden aus fast 100 eingereichten Werken als diejenigen mit dem größten Potenzial für eine Verfilmung ausgewählt. Im Anschluss an die Präsentationen findet ein Networking-Treffen von Verleger*innen, Literaturagenturen und Produzent*innen statt, zu dem nicht nur der Berlinale Co-Production Market und die Frankfurter Buchmesse, sondern auch wir als CZECHIA 2026 einladen.
Das Projekt „Books at Berlinale“ entstand 2006 als erster Markt für Filmrechte zur Adaption literarischer Vorlagen auf einem Filmfestival der Kategorie A. Sein Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen der Film- und Buchbranche zu stärken, und das Projekt ist Teil des Berlinale Co-Production Market.
Wir drücken Eli die Daumen, dass er seinen Filmproduzenten oder seine Filmproduzentin findet! 🙂
Weitere Informationen zur diesjährigen Auswahl von „Books at Berlinale“ finden Sie hier.
Erstes Foto: Václav Mašinda
Und damit wir nicht vergessen, welches wichtige Ereignis uns im nächsten Jahr erwartet, trägt die diesjährige Glückwunschkarte eines der Hauptmotive aus dem animierten und verspielten Videospot von Jakub Kouřil zum Ehrengastauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026.
Das Buch „Leben nach Kafka“ von Magdalena Platzová, übersetzt von Kathrin Janka und erschienen im Balaena Verlag, wurde als bestes unabhängiges Buch Bayerns 2025 in der Kategorie Belletristik ausgezeichnet. Der Preis wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst verliehen. Die Jury würdigt an dem Buch, das das Leben von Felice Bauer nach dem Ende ihrer Beziehung zu Franz Kafka nachzeichnet, dass es „der Autorin mit großem Einfühlungsvermögen und erzählerischer Brillanz gelungen ist, diese bisher vernachlässigte Persönlichkeit aus dem Schatten Kafkas zu befreien”.
Die New York Public Library hat das Buch „Srdcovka“ von Štěpánka Jislová in die Liste der 50 besten Comics des Jahres 2025 aufgenommen. Die Autorin reiht sich damit neben Weltstars wie Jeff Lemire oder Mariko Tamaki ein. Jaroslav Rudiš erhält außerdem als erster tschechischer Autor den deutsch-polnischen Krkonoše-Literaturpreis, der vom Verein zur Pflege der schlesischen Kunst und Kultur unter der Schirmherrschaft des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer verliehen wird.
Herzlichen Glückwunsch!
Foto: Jan Křikava
Im September stellte beispielsweise der Schriftsteller Eli Beneš zusammen mit der Übersetzerin Raija Hauck bei der Nacht der Literatur in Hamburg seinen Debütroman “Unmerklicher Verlust der Einsamkeit” vor. Die Schriftstellerin und Publizistin Dora Kaprálová reiste ebenfalls zu einer Lesung nach Hamburg, die vom renommierten lokalen Verlag Literatur Quickie organisiert wurde. Anlässlich des 80. Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkriegs trafen sich in der deutschen Gemeinde Sulzbach-Rosenberg drei tschechische und drei deutsche Autoren und Autorinnen – Eli Beneš, Alice Horáčková, Štěpán Kučera, Annegret Liepold, Fridolin Schley und Dana von Suffrin –, um der Öffentlichkeit ihre aktuellen literarischen Projekte vorzustellen und an einer Exkursion zur Gedenkstätte des Konzentrationslagers Flossenbürg teilzunehmen.
Anfang Oktober reiste eine Gruppe tschechischer Comiczeichner namens Xao mit unserer Unterstützung nach Hamburg zum dortigen Comicfestival. Auf Einladung von Phillip Schulz von der Galerie und dem Verlag RFI (Raum für Illustration) organisierten sie in der Galerie 21 im Vorwerk-Stift eine Ausstellung, die nicht nur die Arbeiten ihrer Mitglieder Alžběta Zemanová, Klára Zahrádková, Jakub Plachý und Zuzana Bramborová präsentierte, sondern auch beispielsweise die der Illustratorin und Comiczeichnerin Tereza Šiklová. Außerdem fand die Buchpremiere der deutschen Ausgabe des Buches “Schaut, ein Elefant!” statt, das im Rotopol-Verlag erschienen ist. Teil desselben Festivals war auch die Ausstellung ROT mit Illustrationen tschechisch-deutscher Redewendungen der Illustratorin Adéla Bierbaumer.

Im Oktober fand ebenfalls eine Tournee des Schriftstellers und Journalisten Štěpán Kučera und des Übersetzers Mirko Kraetsche mit dem Buch “Gablonz/Jablonec” durch Süddeutschland statt, ebenso wie die Vorstellung der deutschen Übersetzung des Buches “Klub der seltsamen Kinder” von Petra Soukupová und der Illustratorin Nikola Logosová auf dem Festival Bücher bauen Brücken in Saarbrücken.
Mitte Oktober nahm Matěj Plachta, Meister der Tschechischen Republik im Slam Poetry, mit unserer Unterstützung erfolgreich an der Europameisterschaft im Slam Poetry 2025 in Berlin teil. Er qualifizierte sich für den Finalabend, an dem die 10 besten Slammer Europas gegeneinander antraten, und qualifizierte sich damit automatisch für die Weltmeisterschaft in Südafrika im Jahr 2026. Der Finalabend im Admiralspalast in Berlin wurde von mehr als 1700 Zuschauer*innen in einem ausverkauften Saal verfolgt, weitere Tausende verfolgten ihn per Live-Stream. Matěj Plachta belegte insgesamt den 4. Platz und war der beste Slammer, der in seiner Muttersprache slamte. Das bedeutet, dass die im Rahmen des Projekts angefertigten Übersetzungen auch im Wettbewerb mit Muttersprachler*innen erfolgreich waren (den 1. Platz belegte ein Schweizer, den 2. Platz ein Deutscher).
Zu den weiteren im Oktober geförderten Auslandsreisen tschechischer Autorinnen und Autoren gehören beispielsweise die Teilnahme von Lucie Hášková Truhelková mit der deutschen Übersetzung des Buches „Der Opa mit der rosa Hose“ an einer Lesung und einem Workshop für Kinder im Rahmen der EUNIC Literaturtage 2025 in Wien, die Teilnahme von Eli Beneš mit der deutschen Übersetzung seines Buches “Unmerklicher Verlust der Einsamkeit” an den Tschechischen Kulturtagen 2025 in Greifswald und im Tschechischen Zentrum in Berlin, die Vorstellung des neuen Gedichtbands “Wurzel und Gelenk” von Iveta Ciprysová in der deutschen Übersetzung von Ondřej Cikán im neuen Heimatclub des Verlags Kétos in Wien oder die Teilnahme junger tschechischer Autorinnen und Autoren am Festival Globale in Bremen.
Ende Oktober/Anfang November fand in Looren in der Schweiz ein Übersetzerworkshop statt, an dem zehn tschechische und deutsche Übersetzerinnen und Übersetzer teilnahmen. Der Workshop wurde in Zusammenarbeit mit dem Programm TOLEDO des Deutschen Übersetzerfonds organisiert, finanziert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, dem Tschechischen Literaturzentrum und mit Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.

Im November startete das Jahr der tschechischen Kultur, dessen Ziel es ist, die deutschsprachige Öffentlichkeit auf den Ehrengastauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026 vorzubereiten. Lesungen vor deutschem Publikum boten beispielsweise Iva Procházková in Frankfurt, Dora Kaprálová mit der Übersetzung ihres Debütromans „Winterbuch der Liebe“ beim Festival Tschechisch-Deutsche Kulturtage in Dresden oder Viktorie Hanišová, Marek Toman und Stanislav Struhař, deren Bücher im Wieser Verlag erschienen sind und die in Wien und Klagenfurt auftraten. Eine Reihe von Autorenlesungen mit dem tschechischen Journalisten und Schriftsteller Patrik Banga und der Übersetzerin Hana Hadas fanden auch in Augsburg, Heidelberg und München statt. Dank des Tschechischen Zentrums Berlin stellte Petra Dvořáková die deutsche Übersetzung ihres Romans “Die Krähen” in Leipzig und Berlin vor.
Der November stand außerdem ganz im Zeichen der Buch Wien. Im Rahmen von Autorenlesungen stellten sich Alena Mornštajnová und Petra Soukupová vor. Alena Mornštajnová präsentierte die deutsche Übersetzung ihres Bestsellers “Wald im Haus”, die Hana Hadas für den Wieser Verlag übersetzt hat. Petra Soukupová stellte ihr Buch “Klub der seltsamen Kinder” vor, das Johanna Posset für den Jungbrunnen Verlag übersetzt hat. Im November stellte Michal Ajvaz in München die deutsche Übersetzung seines Romans “Die andere Stadt” (erschienen im Allee Verlag) vor. Der Dichter Petr Hruška trat gemeinsam mit dem Übersetzer seiner Werke, dem Slawistikprofessor Urs Heftrich, in Heidelberg, Regensburg und Augsburg auf. Der Übersetzer und Verleger Ondřej Cikán las in Potsdam aus seinen Übersetzungen und Originaltexten.
Das diesjährige tschechische Literaturjahr endet dann im Dezember mit zwei Lesungen und Diskussionen mit Jakub Stanjura in Berlin, der dort zusammen mit dem Übersetzer Mirko Kraetsch die deutsche Übersetzung des Romans “Da war doch nichts” vorstellen wird, sowie mit Lesungen und Diskussionen mit den tschechischen Autor*innen Michal Ajvaz, Milena Fucimanová und der Übersetzerin Zuzana Finger in Wilhelmshaven sowie dem Schriftsteller Matěj Hořava und seinem Buch “Pálenka” in München und Ulm.








