Tschechien

Frankfurter Buchmesse
Ehrengast 2026

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Der Ehrengastauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse wird von zehn großen Ausstellungen begleitet

Anna Hulačová
Neben der Präsentation von 75 tschechischen Autorinnen und Autoren, mehr als 120 deutschen Übersetzungen und 40 Verlagen bietet der Ehrengastauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse auch ein umfangreiches kulturelles Programm. Den Kern bilden 10 Ausstellungen in Frankfurt am Main und im nahegelegenen Offenbach, die anlässlich des Ehrengastauftritts und im Rahmen des Jahres der tschechischen Kultur von führenden tschechischen und deutschen Institutionen vorbereitet wurden.

So hat das deutsche Publikum zum ersten Mal die Chance, das bildhauerische Werk von Anna Hulačová kennenzulernen. Eigene Ausstellungen erhalten auch das Phänomen des Samizdat, die tschechische Buchkunst, Design und Illustration, die neue tschechische Architektur sowie die Fotografie. Eine umfangreiche Ausstellung widmet sich zudem der tschechischen Literatur von Frauen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Zu entdecken gibt es außerdem kreative Objekte – Blumen von Veronika Richterová, die aus Plastikflaschen gefertigt wurden. Auch die Persönlichkeit des Dichters, Übersetzers und Schriftstellers Reiner Kunze wird nicht außer Acht gelassen, und eine seltene Kuriosität wird ein historisches Opferbiergefäß aus Ostböhmen sein. Die erste Ausstellung, „Samizdat: Worte der Freiheit in der Tschechoslowakei 1939–1989“, beginnt bereits am 20. August im Frankfurter Museum für Kommunikation; weitere folgen im September und Anfang Oktober, kurz vor Beginn der Messe. Jede der Ausstellungen verfügt über ein Begleitprogramm, während dessen nicht nur Expertinnen und Experten aus Tschechien zu den jeweiligen Themen, sondern auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller zu Wort kommen. Fünf dieser Ausstellungen wurden vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds, einem Partner des Jahres der tschechischen Kultur und des Ehrengastauftritts, sowie eine von der PPF-Stiftung unterstützt. Die Ausstellungen sind nicht das einzige Begleitprogramm des Ehrengastauftritts; während der Messewoche finden in ganz Frankfurt Dutzende weiterer Veranstaltungen statt – neben Lesungen auch Theater- und Filmpremieren.

„Beim tschechischen Gastlandauftritt auf der Buchmesse geht es nicht nur um Bücher, sondern er bietet auch Einblicke in die aktuelle Kulturszene sowie in Momente, die der tschechischen Kultur in der Vergangenheit ihren Platz in der Weltkultur gesichert haben und bis heute inspirierend wirken – wie beispielsweise die tschechische Typografie“, erklärt Tomáš Kubíček, Generaldirektor der Mährischen Landesbibliothek und Direktor von Czechia 2026, einleitend. „Ich schätze das Vertrauen, das uns die hessischen Kulturinstitutionen entgegengebracht haben. Hinter diesen Projekten stehen zahlreiche Kuratorenreisen deutscher Expert*innen in die Tschechische Republik und deren Begegnungen mit tschechischen Fachleuten, Hunderte von Stunden langwieriger Arbeit sowie eine bedeutende finanzielle Unterstützung durch alle beteiligten Institutionen, das tschechische Kulturministerium, die PPF-Stiftung und den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds“, ergänzt Martin Krafl, Direktor des Tschechischen Literaturzentrums und Programmdirektor von Czechia 2026. „Wir freuen uns, dass sich unter den mehr als 60 Projekten, die vom Zukunftsfonds im Rahmen des tschechischen Gastlandauftritts in Frankfurt und des Jahres der tschechischen Kultur gefördert werden, auch fünf ganz wesentliche Ausstellungen befinden, die dem deutschen Publikum das Beste der vergangenen und gegenwärtigen tschechischen Kultur präsentieren – von der Literatur über die Architektur bis hin zum Buchdesign. Das deutsche Publikum kann sich somit auf die bislang größte Präsentation gemeinsamer tschechisch-deutscher Kulturprojekte dieser Art freuen, die in Deutschland sicherlich noch lange nachwirken und dazu anregen werden, der tschechischen Kultur zu folgen und sie näher kennenzulernen“, erklären Susanne Sehlbach und Tomáš Jelínek, die Direktor*innen des Tschechisch-Deutschen Zukunftsfonds.

Die Ausstellung „Samizdat: Worte der Freiheit in der Tschechoslowakei 1939–1989“ im Museum für Kommunikation, die von der Mährischen Landesbibliothek in Brünn in Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Museum vorbereitet wurde, befasst sich mit der Unterdrückung der Meinungsfreiheit durch totalitäre Regime und Ideologien. Sie konzentriert sich nicht nur auf die Geschichte dieses Phänomens, sondern auch auf die materielle Gestalt der Samizdat-Literatur, ihre grafische Gestaltung und die Arten ihrer Vervielfältigung sowie auf die heutige Form des Samizdat in der Weltkultur.

Die Ausstellung „Aus der Mitte Europas. Tschechische Buchkunst von 1900 bis zur Gegenwart“ bringt 190 Exponate von insgesamt 120 Autorinnen und Autoren aus den Sammlungen des Museums für Angewandte Kunst in Prag ins Klingspor-Museum in Offenbach am Main. Sie zeigt die visuelle Gestaltung des modernen tschechischen Buches von seinen Anfängen Ende des 19. Jahrhunderts in der Zeit des Jugendstils und des Symbolismus über avantgardistische Kunstströmungen und funktionalistische Konzepte bis hin zur Buchkunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, einschließlich der Zeit nach der Revolution und der Gegenwart.

Die Wanderausstellung der Tschechischen Zentren „Beyond Paper Plane. Mehr als flaches Papier: Außergewöhnliche Bilderbuchkunst aus Tschechien“ im Frankfurter Struwwelpeter-Museum präsentiert herausragende Werke tschechischer Illustrator*innen, die das Medium Buch über seine klassischen Grenzen hinaus erweitern. Sie zeigt, wie radikal, experimentell und überraschend die zeitgenössische tschechische Illustrationskunst heute ist, die das Kinderbuch nicht als flache, bedruckte Seite versteht, sondern als Raum, Objekt und Erlebnis. Die Ausstellung präsentiert Bücher, die sich an der Schnittstelle zwischen Kunstwerk, Designobjekt, Leseerlebnis und Spiel bewegen.

Die Ausstellung „More is Now! Neue tschechische Architektur“ im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main, die gemeinsam von der Nationalgalerie Prag und dem Museum organisiert wird, zeigt innovative Praxisbeispiele junger Architekten und Architektinnen, vorwiegend aus der Generation der sogenannten Millennials. Die Ausstellung umfasst etwa 30 preisgekrönte Architekturprojekte, vorwiegend in Regionen der Tschechischen Republik außerhalb von Prag. Sie knüpft an das modernistische Erbe an, dessen Ikone die Villa Tugendhat in Brünn ist, die Ludwig Mies van der Rohe im Alter von 42 Jahren entwarf.

Die Freiluftausstellung „„Ich habe die tschechische Sprache geheiratet“. Reiner Kunze und die tschechische Poesie“ auf dem Vorplatz der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main, organisiert von der Bibliothek und der Reiner-und-Elisabeth-Kunze-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Exilarchiv 1933–1945 und der Mährischen Landesbibliothek, stellt das Werk des Dichters, Übersetzers und Schriftstellers Reiner Kunze vor. Im Mittelpunkt stehen seine literarischen und persönlichen Verbindungen zu bedeutenden tschechischen Dichtern, insbesondere zu Ludvík Kundera, Milan Kundera und Jan Skácel. Kunzes Übersetzungen tschechischer Lyrik machten die tschechische Sprache und Poesie zu einem der zentralen Themen seines Lebens und Schaffens.

Die SCHIRN Kunsthalle Frankfurt hat die erste Einzelausstellung von Anna Hulačová in Deutschland vorbereitet. Die figurativen Skulpturen einer der erfolgreichsten tschechischen Künstlerinnen vereinen Einflüsse des Surrealismus, des sozialistischen Realismus und der tschechischen Volkskunst zu einer eigenständigen Welt. Hulačová untersucht die Beziehung zwischen Mensch und Natur aus einer ökofeministischen Perspektive; in Zusammenarbeit mit ihren eigenen Bienenvölkern schafft sie hybride Wesen und gesichtslose Science-Fiction-Figuren, in denen Beton und Bienenwaben, Organisches und Technologisches, Natur und Maschine miteinander verschmelzen.

In der Ausstellung „Gartenutopien. Ein Blick in die Landschaften der Zukunft“, die vom Palmengarten in Frankfurt am Main organisiert wird, können die Besucherinnen und Besucher Werke der tschechischen Künstlerin Veronika Richterová bewundern, die aus Plastikflaschen gefertigt wurden – Kakteen, Sukkulenten, Kiefern, Passionsblumen, Bromelien und Strelitzien.

Die Ausstellung „„Mich zwingt nichts als die Liebe“ (B.N.) – Literatur aus Tschechien von Božena Němcová bis Radka Denemarková“ im Frankfurter Haus am Dom, die vom Denkmal für nationale Literatur / Literaturmuseum in Zusammenarbeit mit der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität organisiert wurde, beleuchtet die Kontinuität der tschechischen Literatur vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart anhand von Autorinnen, die mit ihren Werken gesellschaftliche Normen, politischen Druck und kulturelle Stereotypen überwunden haben. Im Mittelpunkt steht der Dialog zwischen Božena Němcová und Radka Denemarková.

Nach der erfolgreichen Eröffnung in Paris und Taipeh wandert die Ausstellung „Freude und Zuflucht / Joie et refuge“ nun zum Frankfurter DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum. Die PPF-Stiftung unterstützt die gesamte Auslandstournee der Ausstellung, die das Werk von vierzehn herausragenden Persönlichkeiten der zeitgenössischen tschechischen Fotografie präsentiert, darunter Marie Tomanová, Bára Prášilová, Hana Knížová, Tereza Zelenková und Vojtěch Veškrna, und einen repräsentativen Querschnitt durch die aktuelle tschechische Fotoszene bietet. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit der Teleport Gallery und wurde von der Kuratorin Štěpánka Stein und Tomáš Jiráček vorbereitet. Der Stopp in Frankfurt knüpft an frühere Präsentationen in Paris und Taipeh an und stärkt die internationale Präsenz der zeitgenössischen tschechischen Fotografie weiter.

Vom Ostböhmischen Museum in Pardubice wandert die Ausstellung „Die ‚Bronzene Schönheit aus Kladina‘ – das älteste Bieropfer in Mitteleuropa“ ins Archäologische Museum Frankfurt. Der einzigartige Fund eines Bronzekessels hat die Sicht auf die Entwicklung der späten Bronzezeit in Ostböhmen maßgeblich verändert. Wissenschaftler*innen identifizierten darin Reste von Kräuter-Gerstenbier oder -brei. Die Besucherinnen und Besucher erhalten so Einblick in die Geheimnisse dieses Gefäßes, das vermutlich als Opfergabe diente und von kultischen Praktiken zeugt, die möglicherweise mit rituellem Trinken verbunden waren.

Übersicht über die Ausstellungen im Rahmen des Jahres der tschechischen Kultur anlässlich des Ehrengastauftritt Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026

Samizdat: Worte der Freiheit in der Tschechoslowakei 1939–1989

  • 20. August 2026 – 24. Januar 2027, Museum für Kommunikation Frankfurt, Frankfurt am Main
  • Ausstellung der Mährischen Landesbibliothek in Brünn und des Museums für Kommunikation in Frankfurt

Aus der Mitte Europas. Tschechische Buchkunst von 1900 bis zur Gegenwart

  • 5. September 2026 – 29. November 2026, Klingspor-Museum, Offenbach am Main
  • Die Ausstellung wurde vom Museum für Angewandte Kunst in Prag aus dessen Sammlungen in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Klingspor-Museum vorbereitet. Mit Unterstützung des Tschechisch-Deutschen Zukunftsfonds

Beyond Paper Plane. Mehr als flaches Papier: Außergewöhnliche Bilderbuchkunst aus Tschechien

  • 17. September 2026 – 17. Januar 2027, Struwwelpeter-Museum, Frankfurt am Main
  • Ausstellung der Tschechischen Zentren im Struwwelpeter-Museum in Frankfurt am Main.

More is Now! Neue tschechische Architektur

  • 19. September 2026 – 17. Januar 2027, Deutsches Architekturmuseum (DAM), Frankfurt am Main
  • Das Projekt wird gemeinsam von der Nationalgalerie Prag und dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) organisiert und vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds unterstützt.

Ich habe die tschechische Sprache geheiratet. Reiner Kunze und die tschechische Poesie

  • 29. September 2026 – 30. Oktober 2026, Vorplatz der Deutschen Nationalbibliothek
  • Veranstaltet von der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main und der Stiftung von Reiner und Elisabeth Kunze. Mit Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Anna Hulačová

  • Oktober 2026 – 10. Januar 2027, SCHIRN Kunsthalle Frankfurt, Frankfurt am Main
  • Veranstaltet von der SCHIRN Kunsthalle Frankfurt. Mit Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Gartenutopien. Ein Blick in die Landschaften der Zukunft mit Werken von Veronika Richterová, Jan Kamenský und malatsion.

  • Oktober 2026 – 7. Februar 2027, Palmengarten der Stadt Frankfurt am Main
  • Veranstaltet vom Palmengarten in Frankfurt am Main.

Mich zwingt nichts als die Liebe“ (B.N.) – Literatur aus Tschechien von Božena Němcová bis Radka Denemarková

  • 3. Oktober 2026 – 27. November 2026, Haus am Dom, Frankfurt am Main
  • Veranstaltet vom Denkmal für nationale Literatur / Literaturmuseum in Zusammenarbeit mit der Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität und dem Haus am Dom, Frankfurt. Mit Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds.

Freude und Zuflucht / Joie et refuge

  • 4. Oktober 2026 – 22. November 2026, DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, Frankfurt am Main
  • Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit der Galerie Teleport, der PPF-Stiftung, dem Direktor des Tschechischen Literaturzentrums und Programmleiter des Projekts Martin Krafl sowie der DFF-Kuratorin Stefanie Plappert, die als Co-Kuratorin an der Frankfurter Präsentation mitwirkt.

Die ‚Bronzene Schönheit aus Kladina‘ – das älteste Bieropfer in Mitteleuropa

  • 5. Oktober 2026 – 31. Januar 2027, Archäologisches Museum Frankfurt, Frankfurt am Main
  • Veranstalter: Archäologisches Museum Frankfurt & Ostböhmisches Museum in Pardubice