
Vom Gedicht als Text zum Gedicht als Ereignis: Poesie, die im Zusammenspiel von Raum, Stimme und Körper, im Verhältnis zum Publikum und in einer konkreten Situation entsteht. Die performative Dimension verändert nicht nur die Art und Weise, wie ein Gedicht präsentiert wird, sondern auch seine Entstehung, seinen Rhythmus, seine Komposition und den Umgang mit Sprache. Die Poesie geht über das traditionelle Medium des gedruckten Buches hinaus und hält Einzug in die Club- und digitale Infrastruktur, auf Tonspuren, in Videoschleifen, soziale Netzwerke oder in Poesieautomaten im öffentlichen Raum. Sie nähert sich der Musik, dem Theater, der bildenden Kunst und der Wissenschaft an und entsteht an deren Schnittstellen. Wichtig sind die Unmittelbarkeit, die gemeinsame Präsenz und das Bewusstsein für das Publikum, das nicht mehr nur Empfänger eines fertigen Textes ist, sondern Teil seiner Bedeutung werden kann. Die Grenzen zwischen Autor, Interpret, Kurator und Publikum werden dabei zunehmend durchlässiger.
Jaromír Typlt, Pavel Novotný, Moderation Dirk Hülstrunk