Tschechien

Frankfurter Buchmesse
Ehrengast 2026

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Roman für Frankfurt: Die Gewinnerinen stehen fest

Vítězkami soutěže Román pro Frankfurt se staly Iva Hadj Moussa, Veronika Opatřilová a Ludmila Svozilová. Uspěly mezi 294 rukopisy
Die Gewinnerinnen des Wettbewerbs „Roman für Frankfurt“ sind Iva Hadj Moussa, Veronika Opatřilová und Ludmila Svozilová. Sie setzten sich gegen 294 Manuskripte durch.

Die Gewinnerinnen des Wettbewerbs „Roman für Frankfurt“, der von der Mährischen Landesbibliothek im Rahmen der Vorbereitungen für die Ehrengastschaft Tschechiens auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ausgeschrieben wurde, sind drei Autorinnen – Iva Hadj Moussa mit dem Roman „Krávy“ („Kühe“), der von schwarzem Humor geprägt ist, Veronika Opatřilová mit der zarten Romanerzählung „Barva duše“ („Die Farbe der Seele“) und Ludmila Svozilová mit dem Psychologieroman „Jezero“ („See“). Aus insgesamt 294 Manuskripten wählte sie eine sechsköpfige internationale Jury aus, die sich aus ausländischen Bohemist*innen und Literaturkritiker*innen zusammensetzte und von Alessandro Catalan, Professor für Literaturwissenschaft an der Universität Padua, geleitet wurde. Jede der Preisträgerinnen erhält ein Preisgeld in Höhe von 80.000 CZK und wird den jeweiligen Roman persönlich auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorstellen. Außerdem werden zur weiteren Vermarktung auf ausländischen Märkten Auszüge ihrer Werke ins Englische, Deutsche, Französische und Spanische übersetzt. Die prämierten Manuskripte unterscheiden sich nach Ansicht der Jury deutlich in ihrer Poetik, ihren erzählerischen Mitteln und der Art und Weise, wie sie den Kontakt zum Publikum herstellen. Was sie jedoch verbindet, ist eine ausgeprägte Autorinnendentität und die Fähigkeit, das gewählte Thema in eine überzeugende Romanform zu verwandeln. Die drei unterschiedlichen Romane zeigen somit die Fähigkeit der tschechischen Prosa, Leserinnen und Leser auch jenseits der Grenzen des heimischen literarischen Umfelds anzusprechen.

„Die Anzahl der eingereichten Manuskripte hat uns sehr positiv überrascht. Umso mehr danke ich der Jury für die Zeit, den Einsatz und die Sorgfalt, die sie der gesamten Auswahl gewidmet hat. Ich freue mich, dass nicht nur die Werke der drei Gewinnerinnen, sondern aller zehn Finalist*innen qualitativ hochwertige und interessante Manuskripte sind, die Beachtung verdienen. Der Wettbewerb hat somit seinen Zweck erfüllt, den wir uns bei seiner Konzeption gesetzt hatten – die breite Literaturszene zu beleben und vielleicht ein Werk zu entdecken, das sonst verborgen geblieben wäre“, bewertet Tomáš Kubíček, Generaldirektor der Mährischen Landesbibliothek und Leiter des Projekts Czechia 2026, den Verlauf des Wettbewerbs.

Der gesamte Auswahlprozess verlief anonym. Aus den Manuskripten wurden vor der Übergabe an die internationale Jury alle Angaben zu den Autorinnen und Autoren entfernt; deren Namen erfuhren die Jurymitglieder erst nach der endgültigen Entscheidung. Zehn Romane schafften es in die Endrunde. Und wie die Jury betont, fiel die Auswahl der drei siegreichen Manuskripte sehr schwer, da auch die Werke der übrigen sieben Autorinnen und Autoren aufgrund ihrer Qualität Beachtung verdienen. Neben den Gewinnerinnen schafften es somit (in alphabetischer Reihenfolge) Roman Forst, Eva Franková, Štěpán Kuchlei, Eugen Liška, Alice Škrlant, Barbora Vajsejtlová und Ivo Vysoudil in die Top Ten.

Roman für Frankfurt: Die Gewinnerinen stehen fest

Der Roman „Krávy“ („Kühe“) Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Psychologin Iva Hadj Moussa besticht vor allem durch seinen schwarzen Humor und Zynismus, mit denen das zentrale Heldinnentrio auf äußere Reize reagiert. Die Jury war beeindruckt von einem kompositorisch durchdachten und thematisch verknüpften Text, der eine eigenständige Welt bildet und zugleich eine unverwechselbare Aussage über die heutige Zeit liefert. „Die Idee zum Roman ‚Krávy‘ trug ich schon lange in mir. Diesen Winter sprudelte sie dann irgendwie aus mir heraus, und Mitte April war das Manuskript fertig. Ich sagte mir, ich würde mein Glück versuchen und es beim Wettbewerb ‚Román pro Frankfurt‘ einreichen. Als dann die Nachricht kam, dass ‚Krávy‘ nach Deutschland fahren würde, konnte ich es kaum glauben. Ich habe ziemlich große Zweifel an meinem Schreiben und auch an mir selbst, daher war meine erste Reaktion: ‚Da hat sich jemand geirrt. Das muss ein Verwaltungsfehler sein.‘ Als ich mich ausreichend vergewissert hatte, legte sich die Unsicherheit und es blieb nur noch pure Freude. In unserem Haushalt ist inzwischen das Motto ‚Von Božetice bis nach Frankfurt‘ entstanden. Ich freue mich riesig!“, sagt Iva Hadj Moussa.

„Barva duše“ („Die Farbe der Seele“) der Schriftstellerin und Literaturübersetzerin aus dem Schwedischen und Englischen, Veronika Opatřilová, ist eine zarte Geschichte von Figuren, deren Schicksale sich auf mehreren Zeitebenen im Norden Schwedens abspielen. Die Jury war von der literarischen Gestaltung und der Ausdruckskraft des Werks beeindruckt: Die bildhafte, poetische, aber auch ausdrucksstarke Sprache vermittelt gekonnt die melancholische und emotionsgeladene Atmosphäre der Geschichte; der Text arbeitet einfühlsam mit Motiven sinnlicher Eindrücke und einer feinfühligen psychologischen Charakterzeichnung. „Ich habe immer davon geträumt, meine Texte über die Grenzen der Tschechischen Republik hinaus zu bringen, aber das schien mir unmöglich. Als ich vom ‚Roman für Frankfurt‘ erfuhr, beschloss ich, das Risiko einzugehen, und ehrlich gesagt kann ich es kaum glauben, dass es geklappt hat. Es ist mir eine große Ehre, Teil der tschechischen Literaturvertretung auf der diesjährigen Messe zu sein“, sagt Veronika Opatřilová.

„Jezero“ der tschechischen Schriftstellerin, bildenden Künstlerin, Keramikerin und Illustratorin Ludmila Svozilová ist ein prägnant komponierter psychologischer Roman, der gekonnt die Mittel des Thrillers einsetzt. Die Jury war beeindruckt von diesem handwerklich ausgereiften und leserfassenden Text, der psychologische Ebenen mit indirekt dargestellten Motiven des Geheimnisvollen und Übernatürlichen verbindet, die Spannung aufrechterhält und zugleich zu einer tieferen Reflexion über die eigene Existenz anregt. „Es handelt sich um meinen umfangreichsten und wahrscheinlich auch am besten ausgearbeiteten Roman. Die erste Arbeitsfassung entstand bereits im Jahr 2012, und seitdem habe ich mich immer wieder damit beschäftigt. Ich kann ‚Jezero‘ daher mit gutem Gewissen als einen Text bezeichnen, der mich beim Schreiben praktisch von Anfang an begleitet hat und mir im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen ist, was für mich wohl die stärkste Motivation war, ihn beim Wettbewerb einzureichen. Ich hatte keinen Zweifel daran, dass das Interesse an dem Wettbewerb groß sein würde und der Jury viele hochwertige Beiträge vorliegen würden. Dass gerade mein Manuskript nach Frankfurt fahren wird, hat mich daher sehr positiv überrascht“, schließt Ludmila Svozilová.


Fotos: Polina Maliuk