Tschechien

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Unsere Übersetzer*innen: Hana Hadas

Ohne unsere vielen tollen Übersetzer*innen wäre die tschechische Literatur im Ausland nicht vorhanden. In unserer Reihe wollen wir euch daher unsere Kolleg*innen näher vorstellen und haben ihnen dafür ein paar Fragen gestellt. Heute geht es mit Hana Hadas weiter. Sie studierte Slawische Philologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München und legte ihren Abschluss mit einer Arbeit über das Idyllische und Utopische im Romanwerk von Milan Kundera ab. Heute ist sie überwiegend im Bereich Lektorat, Kunstvermittlung, Sprachkurse in Tschechisch, Polnisch und Deutsch und dem Verfassen von literarischen Gutachten tätig. Aus Leidenschaft übersetzt sie weiterhin einzelne Werke, vorwiegend Prosa, aus dem Tschechischen. Unter anderem hat sie Tereza Brdečková, Sylva Fischerová und Jáchym Topol ins Deutsche übertragen.

Welche Dinge kann man auf Tschechisch ausdrücken, die auf Deutsch schwer oder unmöglich sind?

Das betrifft wohl wie bei anderen Sprachen Flüche und Schimpfwörter, sowie Koseformen. Dann gibt es noch Wörter wie „rohlík“, das ist ein typisch tschechisches Gebäck, wie die „Brezn“ im Bayerischen. Nur handelt es sich nicht um etwas Rundes oder Geschwungenes, sondern eine Brötchenstange aus feinstem Auszugsmehl. So ein „rohlík“ ist im Tschechischen etwas völlig Alltägliches, kommt im nahezu jedem Text vor. Manchmal erlaube ich mir, es so stehen zu lassen – an das französische Croissant haben wir uns auch schließlich gewöhnt.

Verändert sich der Charakter einer Figur, wenn man sie vom Tschechischen ins Deutsche überträgt?

Ich hoffe sehr, dass es nicht passiert! Es ist ja mein Job, dass es nicht passiert.

Denkst du beim Übersetzen eher in Bildern, in Bedeutung oder in Worten?

Sehr oft in Bildern, das unterscheidet ja einen literarischen Text vom sachlichen.

Was ist an tschechischem Humor besonders schwer, ins Deutsche zu übertragen?

Wortspiele, Diminutive.

Welche tschechischen Witze funktionieren auf Deutsch gar nicht?

Leider – oder Gottseidank! – die latent rassistischen und misogynen.

Was liebst du am Tschechischen, was du im Deutschen vermisst?

Diminutive, Regionalismen, wie zum Beispiel die aus meinem südmährischen Geburtsort.

Wie hat das Übersetzen dein eigenes Deutsch verändert?

Man wird feinsinniger, drückt sich gewählter aus.

Was war die schwerste Entscheidung, die du je in einer Übersetzung treffen musstest?

Kommt immer wieder vor: Inwieweit bin ich bereit, Rassismen, v.a. in Form von Antiziganismen zu reproduzieren?

Was sind deine Lieblingsworte auf Deutsch und auf Tschechisch?

„Sehnsucht“ und „rampouch“ (Eiszapfen).

Woran arbeitest du aktuell und was wird dein nächstes Projekt sein?

An „Prag Noir“, einer sehr kurzweiligen Sammlung von Krimi-Noir-Kurzgeschichten namhafter tschechischer Autorinnen. Und an „Pacanka“ von Klára Elšíková, einer radikalen Selbstfindungsgeschichte.

Das Interview führte Nathalie Weber.