Tschechien

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Unsere Übersetzer*innen: Julia Miesenböck

Ohne unsere vielen tollen Übersetzer*innen wäre die tschechische Literatur im Ausland nicht vorhanden. In unserer Reihe wollen wir euch daher unsere Kolleg*innen näher vorstellen und haben ihnen dafür ein paar Fragen gestellt. Heute geht es mit Julia Miesenböck weiter. Sie ist Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin und übersetzt zeitgenössische Prosa und Lyrik aus dem Tschechischen ins Deutsche, darunter Lucie Faulerová, Marie Šťastná, Anna Beata Háblová und Ondřej Macl. Außerdem forscht sie zur Geschichte des literarischen Transfers aus dem Tschechischen ins Deutsche, insbesondere zur Zeit des Kalten Krieges.

„Welche Dinge kann man auf Tschechisch ausdrücken, die auf Deutsch schwer oder unmöglich sind?“

Das Tschechische ist einerseits sehr kompakt, da es in der Regel ohne bestimmte und unbestimmte Artikel und ohne Personalpronomen auskommt. Mit wenigen Worten kann viel gesagt werden – das ist im Deutschen oft eine Herausforderung.

„Verändert sich der Charakter einer Figur, wenn man sie vom Tschechischen ins Deutsche überträgt?“
Idealerweise nicht. Sonst wäre bei der Übersetzung etwas schiefgegangen.

„Denkst du beim Übersetzen eher in Bildern, in Bedeutung oder in Worten?“
Ich denke in Bedeutungen und Bildern, über die kommen dann meistens die passenden Begriffe.

„Was liebst du am Tschechischen, was du im Deutschen vermisst?“
Ich denke, das Tschechische ist sehr kreativ, wenn es um Wortbildungen geht. Gerade in der Umgangssprache.

„Wie hat das Übersetzen dein eigenes Deutsch verändert?“

Ich mache mir beim Übersetzen auf jeden Fall mehr Gedanken, welche Varianten ich wähle. Als Österreicherin würde ich zwar am liebsten ins österreichische Hochdeutsch übersetzen, aber das geht nicht immer – gerade wenn es um Übersetzungen für Verlage in Deutschland geht.

„Woran arbeitest du aktuell und was wird dein nächstes Projekt sein?“

Diesen Sommer habe ich für den Kölner Verlag parasitenpresse eine Anthologie mit junger tschechischer Lyrik in deutscher Übersetzung fertigstellt, an der neben mir auch noch weitere Übersetzer:innen beteiligt waren, und Veronika Siska als Co-Herausgeberin. Das war ein aufwändiges, aber auch sehr schönes Projekt. Die Anthologie umfasst sechzehn Lyriker:innen und trägt den Titel „Die Wale in mir wurden kleiner“.

Aktuell arbeite ich an der Übersetzung des neuesten Romans von Miřenka Čechová, ein Buch über Machtmissbrauch, sexuelle Ausbeutung, erzählt aus der Perspektive einer Sexarbeiterin.

Foto: ÖGfL
Das Interview führte Nathalie Weber.