Tschechien

Frankfurter Buchmesse
Ehrengast 2026

Facebook Česko - Frankfurtský knižní veletrh 2026Instagram Česko - Frankfurtský knižní veletrh 2026

Unsere Übersetzer*innen: Katharina Hinderer

Ohne unsere vielen tollen Übersetzer*innen wäre die tschechische Literatur im Ausland nicht vorhanden. In unserer Reihe wollen wir euch daher unsere Kolleg*innen näher vorstellen und haben ihnen dafür ein paar Fragen gestellt. Heute geht es mit Katharina Hinderer weiter. Sie ist Diplom-Übersetzerin für Tschechisch und Englisch und widmet sich seit über 20 Jahren dem Übersetzen in den Bereichen Film und Literatur. Sie übersetzt Graphic Novels, Sachbücher, Belletristik sowie Kinder- und Jugendliteratur, unter anderem von James Dashner, Anna Bolavá, Lucie Lomová, Iva Petřinová, Jakub Plachý, Jindřich Janíček und Taťána Rubášová. Ihr besonderes Interesse gilt der tschechischen Comicszene, deren Aufblühen sie begeistert verfolgt.

„Was ist an tschechischem Humor besonders schwer, ins Deutsche zu übertragen?“

Wortwitze sind immer schwer zu übertragen. Vielleicht ist der tschechische Humor auch etwas schwärzer. Ich bin mir z.B. nicht sicher, ob in Deutschland ein Cartoonband wie „Kapitán Chemo“ (Käpt’n Chemo) voller Witze über die Blutkrebserkrankung und Krebsbehandlung des Autors erscheinen könnte, und dann auch noch mit einem Comicpreis ausgezeichnet werden würde (den der Autor Albrecht Smuten leider nicht mehr entgegennehmen konnte).

„Was liebst du am Tschechischen, was du im Deutschen vermisst?“

Tschechisch ist so unwahrscheinlich kompakt. Ein Wort, fünf Buchstaben, können schon ein ganzer Satz sein. „Nevím.“ zum Beispiel. Auf Deutsch: „Ich weiß (es) nicht.“ Oder „Netuším.“ – „Ich habe keine Ahnung.“ Das ist eine enorme Herausforderung, wenn man bei der Übersetzung auf die Textlänge achten muss. Das bekomme ich beim Übersetzen von Comics und Graphic Novels oft zu spüren …

„Was sind deine Lieblingsworte auf Deutsch und auf Tschechisch?“

Eigentlich habe ich kein Lieblingswort im Deutschen, aber hin und wieder gelingt es mir, ein Wort, das mir gerade besonders gut gefällt, in meiner aktuellen Übersetzung unterzubringen. Da war mal das Wort „Schnarchnase“ dabei, und kürzlich „Schreckschraube“. Wie es scheint, habe ich eine Vorliebe für Zischlaute. Da habe ich mir mit Tschechisch ja die richtige Sprache ausgesucht. Mein tschechisches Lieblingswort enthält allerdings gar keine Zischlaute. Und zwar ist das „veverka“, das Eichhörnchen.

„Woran arbeitest du aktuell und was wird dein nächstes Projekt sein?“

Im Moment übersetze ich ein ganz tolles Kinderbuch von Lucie Lučanská über Wahrnehmung, und als Nächstes werde ich „Westnordwest“ von Jindřich Janíček übersetzen, ein vom Autor wunderschön illustriertes Buch mit Comic-Einsprengseln über eine Reise durch den amerikanischen Nordwesten, ein bisschen wehmütig, aber auch voller Begeisterung für die Landschaft, Architektur und Kultur.

Foto: Antje Gildemeister Fotografie Leipzig
Das Interview führte Nathalie Weber.