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Alice Horáčková: Rückblick auf ihren Künstleraufenthalt in Berlin

Alice Horáčková: Ohlédnutí za rezidenčním pobytem v Berlíně
Die Schriftstellerin Alice Horáčková verbrachte den Mai im Rahmen eines Künstleraufenthalts in Berlin am Wannsee. In dem folgenden Bericht schildert sie ihre Erfahrungen.

Ich war acht Jahre alt, als meine Eltern mir in Ost-Berlin ein Fahrrad kauften. Blau, klappbar; wir brachten es mit dem Zug in die Tschechoslowakei. Es steht noch immer im Haus meines Großvaters – der zur Hälfte Deutscher war, was ich damals noch nicht wusste. Er sprach nie Deutsch mit mir (was allerdings nicht bedeutet, dass ich ihn nie Deutsch sprechen hörte).

Später ging ich als Journalistin nach Berlin und lebte dort ein Jahr lang. Berlin war es zu verdanken, dass ich den Mut fand, meinen Vater und Onkel auf Dinge anzusprechen, über die man sonst schwieg. Mein Onkel holte ein altes Album aus seinem Versteck und zum ersten Mal sah ich Fotos meines Großvaters aus dessen Jugendzeit. Auf jenen Bildern, auf denen er Uniform trug, waren die Abzeichen der Wehrmacht herausgeschnitten. Jahre voller Recherchen und Fragen begannen. All dies mündete schließlich in Geteiltes Haus.

Alice Horáčková: Ohlédnutí za rezidenčním pobytem v Berlíně

Und nun bin ich plötzlich wieder hier, in Berlin – weder als Kind noch als Journalistin. Morgens in der Küche des LCB treffe ich auf SchriftstellerInnen aus der ganzen Welt. Schlaftrunken (manche noch im Schlafanzug) eilen wir zur Kaffeemaschine und tauschen uns behutsam über unsere Werke aus. Wir wollen nichts herausposaunen. Schreibst du gerade? Oder schreibst du nicht? Hast du ein Zimmer mit Blick auf den See – oder auf den Park?

Ich schaue auf den See. Der Wind wird frischer; ein Sturm zieht auf. Ich zweifle. Ich schreibe. Gestern, als es mir nicht gut ging, flog eine Nebelkrähe zu mir herauf. Es war das erste Mal, dass sie mein Zimmer entdeckte; bislang hatte ich sie stets unten im Park gefüttert (man sagt, diese Vögel hätten ein hervorragendes Gedächtnis für Gesichter).

Sie krächzte und verlangte nach Erdnüssen. Gewöhnlich knackt sie diese sofort auf und frisst sie an Ort und Stelle; doch dieses Mal stopfte sie sich die Nüsse unzerbrochen in den Schnabel und stolzierte damit wie eine Ballerina über den Balkon. Ich setzte mich wieder an den Tisch und schrieb den ganzen Nachmittag. Die Zweifel waren weg.

Alice Horáčková, Berlin-Wannsee, Mai 2026


Der Text erschien ursprünglich in der Berliner Zeitung.