„Welche Dinge kann man auf Tschechisch ausdrücken, die auf Deutsch schwer oder unmöglich sind?“
Das Tschechische ist reich an Diminutiva, mit denen man eine ganze Emotionsskala differenziert ausdrücken kann. Dieses Mittel steht im Deutschen nur teilweise zur Verfügung.
„Verändert sich der Charakter einer Figur, wenn man sie vom Tschechischen ins Deutsche überträgt?“
Der kulturelle und gesellschaftliche Hintergrund der Figuren kann nicht eins zu eins übertragen werden und daher wirken der Charakter und das Handeln der Figuren vor dem Erfahrungskontext der deutschen Leserinnen und Leser mitunter anders.
„Denkst du beim Übersetzen eher in Bildern, in Bedeutung oder in Worten?“
Abwechselnd in allen drei Kategorien, wobei mir die Bedeutung wohl am wichtigsten ist.
„Was ist an tschechischem Humor besonders schwer, ins Deutsche zu übertragen?“
Der tschechische Humor verfügt für mich über eine größere Gelassenheit und Entspanntheit als der Deutsche, was in der Übertragung leicht missverstanden werden kann.
„Welche tschechischen Witze funktionieren auf Deutsch gar nicht?“
Witze, die sich auf aktuelle tschechische Verhältnisse oder konkrete Personen des öffentlichen Lebens beziehen.
„Was liebst du am Tschechischen, was du im Deutschen vermisst?“
Ich liebe am Tschechischen das Spielerische und Verspielte und lasse mich davon für das Deutsche inspirieren.
„Wie hat das Übersetzen dein eigenes Deutsch verändert?“
Ich bin mir meiner Sprache in bewusster geworden und verfeinere sie als ein Instrument der künstlerischen Interpretation.
„Was war die schwerste Entscheidung, die du je in einer Übersetzung treffen musstest?“
Die Einsicht, dass ich ein mehrsprachiges tschechisches Gedicht im Geiste der k. u. k. Monarchie für die Leserschaft in Deutschland nur annähernd übertragen kann.
„Was sind deine Lieblingsworte auf Deutsch und auf Tschechisch?“
Zwei Kosewörter. Auf Deutsch: Augenstern. Auf Tschechisch: zlatíčko, Goldstück.
“Woran arbeitest du aktuell und was wird dein nächstes Projekt sein?”
Aktuell schließe ich eine Poesieübersetzung ab und mein nächstes Projekt ist wird wieder Poesie sein.
Foto: Thomas Heimerl
Das Interview führte Nathalie Weber.


